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Schwäbische Zeitung über »Frida im Kopf«

11. Oktober 2008 - Presse

Schwäbische Zeitung vom 11.10.2008

„Frida im Kopf – ein Zwiegespräch“ von und mit Lore Seichter-Muráth

Frida Kahlo will leben
von unserem Mitarbeiter Helmut Voith

Friedrichshafen. Aufmerksame Zuhörer, die jede noch so kleine Regung im Gesicht wahrnehmen, hat Lore Seichter-Muráth am Samstagabend bei ihrer szenischen Lesung zum Leben der mexikanischen Malerin Frida Kahlo im theater Atrium gefunden.

Auf der schwarz ausgeschlagenen Bühne ein Tisch mit Wasserglas. Nichts sonst, was von der Lesung abhalten könnte. Im Mittelpunkt steht die Künstlerin Frida Kahlo. Im vergangenen Jahr hat Suzanne von Borsody diese überaus faszinierende Frau und Malerin zum 100. Geburtstag anhand von Bildern, Fotografien, Briefen und Tagebuchauszügen im Bahnhof Fischbach vorgestellt. Auch Lore Seichter-Muráth, in Berlin lebende Schauspielerin, Theatermacherin und Autorin, hat sich eingehend mit dem Leben der mexikanischen Ikone des Schmerzes auseinandergesetzt. Für ihr „Zwiegespräch“ mit Frida Kahlo hat sie Briefstellen und Tagebuchausschnitte gewählt, überwiegend aber eigene Texte geschrieben. Sie hat sich intensiv auf die Bilder der Malerin eingelassen, sie zu neuem Leben erweckt. Eine Fahrt im Bus zur „casa azúl“, dem Blauen Haus, Fridas Domizil in Mexico City, bildet den Anfang und das Ende. Eindrücke werden aneinander gereiht, eine Stimmung wird aufgebaut. Wir hören die biografischen Fakten, doch Leben kommt in die Daten durch Lore Seichter-Muráths eigene Texte. Reflexionen in der Art des inneren Monologs, im Präsens vorgetragen, lassen Vergangenes zur Gegenwart werden. Eng verzahnt damit sind Berichte in der Technik der erlebten Rede. Der Wechsel von Innen- und Außensicht versucht sich dem Wesen dieser unergründlichen, vom Schmerz gezeichneten Frau anzunähern. Frida Kahlo wollte Medizin studieren, ein Autounfall hat sie monatelang ans Krankenbett gefesselt und immer neue Operationen an der zertrümmerten Wirbelsäule gefordert. Doch die aller Zukunftsträume Beraubte hat sich nicht aufgegeben, sie hat für sich das Malen als Ausdrucksform entdeckt und später den zwanzig Jahre älteren Diego Rivera, den bekanntesten Künstler Mexikos, geheiratet, sich von ihm getrennt und ihn wieder geheiratet.

Sie hatte eine heftige Liebesaffäre mit Leo Trotzki, der in Mexiko im Exil lebte, und trat später aus Protest aus der kommunistischen Partei aus. All das ist in der Lesung zu erleben, in der Lore Seichter-Muráth ausgehend von Kahlos Bildern mit sparsamer Gestik und Mimik die Innen- und Außensicht gleichzeitig zu zeigen versucht. Eine – wenn es das Wort gäbe – kammerspielartige Lesung, die tiefen Eindruck hinterlassen hat.

Im Atrium hat Lore Seichter-Muráth mit ihrer szenischen Lesung über Frida Kahlo tiefen Eindruck hinterlassen.

Foto: Helmut Voith

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